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Dr. Roman Geeser
   

Gedanken am Ende der Unterrichtstätigkeit

Nach 34 Jahren Unterrichtstätigkeit habe ich Ende Juni die Schulstube verlassen. Die Schulwelt hat sich in dieser Zeit enorm verändert. Während am Anfang zum Beispiel der Umdruckapparat für die „Schnapsmatrizen“ das wichtigste technische Hilfsmittel war, braucht es heute einige technische Fertigkeiten, um die vielen Hilfsmittel sinnvoll einsetzen zu können.

Im Zentrum der Bemühungen steht jedoch auch heute die Vorbereitung der Schülerinnen und Schüler auf das Leben. Dabei spielt die Zusammenarbeit mit dem Elternhaus eine wichtige Rolle. Der familiäre Hintergrund der Schülerinnen und Schüler hat sich jedoch enorm verändert. Manche Eltern haben eine negative Einstellung zur Schule und beeinflussen ihre Kinder ungewollt mit ihrer Kritik. Andere kümmern sich kaum um schulische Belange, sei dies aus Zeitmangel, sei dies aus Desinteresse. Die Konsequenz ist, dass die Lehrpersonen im Elternhaus keinen Ansprechpartner finden. Viele Einflüsse können die Lehrpersonen nicht allein steuern, sie tragen jedoch deren Auswirkungen (Internet, Handy, iPod, Fernsehen).

Der Ausländeranteil in den Klassen beträgt heute in Basel-Stadt durchschnittlich ein Drittel, Tendenz steigend. Dies mag menschlich bereichernd sein, erschwert aber oft die Erreichung der Lernziele. Die fehlenden Qualifikationen wirken sich dann bei der Stellensuche auf dem Arbeitsmarkt aus. Auf dem Arbeitsmarkt herrscht derzeit ein unerbittlicher Konkurrenzkampf.

Bedenklich scheint mir, dass tendenziell versucht wird, Leitplanken zum Schutze der Schulen abzubauen. Jüngstes Beispiel ist die wieder aufkeimende Diskussion um die Hanflegalisierung. Statt die Gesetze konsequent durchzusetzen, werden Lücken im Gesetz gesucht. Die Lehrpersonen werden sich dann noch vermehrt um Junge kümmern müssen, welche bekifft zu spät oder gar nicht zur Schule kommen, den Unterricht stören oder nicht ansprechbar sind. Viele Eltern machen sich zu Recht Sorgen, wenn ihre Kinder mit Hanf- oder Alkoholkonsumenten in der Klasse konfrontiert sind.

Bezeichnend ist, dass sich heute manch junge Kollegin und manch junger Kollege kein volles Pensum mehr zutrauen. Die Anforderungen steigen durch die zeitintensive Vorbereitung und Durchführung abwechslungsreicher Schulstunden, die Projektarbeiten, die Arbeitsgruppen und die Weiterbildungen. Der Lehrermangel ist nicht nur, aber sicher auch auf die steigenden Anforderungen an die Lehrpersonen zurückzuführen.

Mein Anliegen: Die Gesellschaft muss den Lehrpersonen ein Umfeld bieten, in dem sie sich dem Unterrichten als Kerntätigkeit widmen können. Die tägliche Herausforderung durch die Absenzen, die fehlende Erziehung mancher Schülerinnen und Schülern und die dauernd neuen Forderungen an die Schulen dürfen die eigentliche Unterrichtstätigkeit nicht verdrängen.

Dennoch würde ich wieder den gleichen Beruf wählen: Das Unterrichten junger Menschen hat mich bis am Schluss fasziniert, weil ich mithelfen konnte, Jungen den Weg ins Leben zu ebnen.

Dr. Roman Geeser, pensionierter Wirtschaftslehrer